Stimmen gegen Bettelverbot in Landeck

Quelle: Bettellobby
Quelle: Bettellobby

Offener Brief: Die Bettellobby Tirol spricht sich für eine zu­kunfts­orien­tierte, an den Grund­rech­ten orien­tier­te Praxis aus, wel­che sich gegen Ver­bote und so­zia­le Aus­gren­zung rich­tet.

 

In einem offenen Brief fordert die Bettel­lobby Tirol die Mit­glie­der des Landecker Ge­mein­de­rats auf, das ge­plan­te Bettelverbot, für das sich der Stadt­rat mehr­heit­lich aus­sprach, zu über­denken und keine vor­eili­gen kurz­sich­ti­gen Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Die Bettel­lobby Tirol spricht dies­be­züg­lich von einem un­ver­hält­nis­mäßi­gen Ein­griff in die Men­schen­rechte.

 

 

 

Sie warnt davor, einen Weg der Politik ein­zu­schla­gen, die auf dem Rücken von ar­muts­betrof­fe­nen Men­schen aus­getra­gen wird: „Wir ap­pel­lie­ren, sich von einer Po­litik zu dis­tan­zie­ren, die auf po­pu­lis­ti­schen, krimi­na­li­sie­ren­den und dif­fa­mie­ren­den Zu­schrei­bun­gen auf­baut und darauf ab­zielt, Men­schen gegen­einan­der aus­zu­spielen.“

 

In ihrer Arbeit ist die Bettellobby Tirol im­mer wie­der auch mit Fragen ver­un­sicher­ter Bür­gerInnen kon­fron­tiert.

Viel­fach fehlt es den Men­schen an Hinter­grund­infor­ma­tio­nen zur Situa­tion von bet­teln­den Men­schen: „Unse­re Er­fah­run­gen zei­gen, dass Ge­sprä­che, Aus­tausch und In­for­ma­tio­nen Ängste ab­bauen, Un­sicher­hei­ten lin­dern und da­durch zu einem un­auf­gereg­te­ren Um­gang mit dem Thema in der Mehr­heits­be­völ­ke­rung bei­tragen kön­nen.“

 

Die Bettellobby Tirol plädiert daher für bewusst­seins­bil­den­de Maß­nah­men und Sen­sibili­sie­rung statt Ver­bote. Denn Betteln ist für viele Men­schen die ein­zige Mög­lich­keit zur Ver­än­de­rung un­zu­mut­barer Ver­hält­nisse auf der oft ver­geb­li­chen Suche nach alter­na­tiven Verdienst­mög­lich­keiten. Zu bet­teln kos­tet den Men­schen meist viel Über­windung. Doch mit dem weni­gen Geld, das sie hier er­betteln, kön­nen sie ihre eige­ne und die Lebens­situa­tion ihrer Fa­mi­lien in den Her­kunfts­län­dern ein Stück weit ver­bessern.

 

Von den Landecker PolitikerInnen erwar­tet sich die Bettel­obby Tirol einen ver­ant­wor­tungs­vol­len und soli­da­ri­schen Um­gang mit bet­teln­den Men­schen und eine offene und sach­lich ge­führte Dis­kus­sion zum The­ma Betteln: „Wir for­dern einen öf­fent­li­chen Raum, der für alle nutz­bar und zu­gäng­lich ist, ein Ende der Krimi­na­li­sie­rung von betteln­den Men­schen und eine zukunfts­orien­tierte, an den Grund­rechten orien­tierte Praxis, wel­che sich gegen Ver­bote und sozia­le Aus­gren­zung rich­tet.“

 

Die Bettellobby Tirol appelliert an den Lan­decker Bür­ger­meis­ter und alle ande­ren ÖVP-Po­liti­kerInnen des Ge­meinde­rates, sich auf ihre christ­lich-sozia­len Grund­werte zu be­sinnen. Schließ­lich stehe es jedem Men­schen offen, Men­schen, die auf Unter­stützung an­de­rer an­gewie­sen sind, zu hel­fen. Bettel­verbote wür­den jedoch die Situa­tion armuts­betrof­fe­ner Men­schen noch wei­ter ver­schlim­mern: „Sie drän­gen armuts­betrof­fene Men­schen zu­neh­mend von öf­fent­li­chen Plätzen, in die Kri­mi­na­lität und wei­ter an den Rand der Gesell­schaft. Armut und da­mit der Grund des Bet­telns bleibt hin­gegen be­ste­hen. Bettel­verbote sind je­doch keine Lö­sung für eine Proble­ma­tik, die struk­tu­relle Ur­sa­chen hat. Es gilt die Armut zu be­sei­ti­gen und nicht die von Ar­mut be­trof­fe­nen Men­schen.“

 

Text: Bettellobby Tirol

 

Siehe auch:
Radio: Betteln in Tirol – Wege aus der Armut, 9.1.2017
Dialogplattform: Notreisende in Österreich, 31.12.2016
„Christliche Politik geht anders“, 9.12.2016
Niederösterreich führt „Bettlerdatei“ ein, 6.10.2016
Bettlerin soll 38.000 Euro Strafe zahlen, 22.8.2016
Nachgefragt: Notreisende in Tirol, 15.8.2016
Vorarlberg und die Bettler, 24.7.2016
Studie über Bettler in Vorarlberg vorgestellt, 23.7.2016

 

Roman Urbaner (dROMa)

http://www.roma-service.at/dromablog/?p=39786

 

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