Theodor Kramer Preis für Stefan Horvath | „Zu schweigen wäre kontraproduktiv“

„Ich war immer ein stiller Mann, wie mein Vater, der sechs Jahre in Konzentrationslagern leben musste. Zu Hause war das ein Tabu Thema“, erzählt Horvath über sein langes Schweigen, dessen Gebrochenwerden nun ausgezeichnet wurde.

 

Den 16. Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und Exil 2016 teilte Stefan Horvath mit Gerhard Scheit. Vergangenen Samstag fand die feierliche Ehrung im Pfarrsaal in Niederhollabrunn statt.

 

Quelle: ORF | Yvonne Strujic
Quelle: ORF | Yvonne Strujic

 

„Es ist ein Gefühl von Demut und Dankbarkeit. Weil ich genau weiß, warum ich diesen Preis bekomme. Nach dem Attentat vor mehr als 20 Jahren in Oberwart hat sich mein Leben verändert. Ich habe zu schreiben begonnen und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich das richtige tue“, betont Stefan Horvath, der im Jahre 1995, in dem sein Sohn Peter Sárközi bei einem Bombenattentat auf dramatische Weise aus dem Leben gerissen wurde, sein erstes Gedicht schrieb.

 

In diesem Gedicht mit dem Titel „Ich möcht ein Engel sein“ beschreibt Stefan Horvath den unendlichen Schmerz eines hinterbliebenen, liebenden Elternteils.

 

Quelle: ORF | Yvonne Strujic
Quelle: ORF | Yvonne Strujic

 

Die oft so schmerzvolle Vergangenheit der Volksgruppe der Roma in Österreich bereitet der Autor in allen darauffolgenden Publikationen für sich, seine Volksgruppe und auch für die Mehrheitsbevölkerung auf. Außer der drei Prosa Werke „Ich war nicht in Auschwitz“, „Katzenstreu“ und „Atsinganos. Die Oberwarter Roma und ihre Siedlungen“ schreib Stefan Horvath auch zahlreiche Gedichte und den Einakter „Begegnung zwischen einem Engel und einem Zigeuner“. Basierend auf dem Buch „Katzenstreu“ entstand auch die gleichnamige Hörspiel-CD mit Karl Markovics als Sprecher.

 

„Es gab lange keine Gelegenheit für mich und auch keinen Grund, das lange Schweigen über die Geschichte der Roma im Burgenland zu brechen. Erst das Attentat hat mich dazu gebracht. Die Aufarbeitung der Geschehnisse wird nie abgeschlossen sein, denn ich denke, dass die Toten immer wieder reden werden und das Schweigen kontraproduktiv wäre“, erzählt Stefan Horvath und betont, die Bedeutung des genauen Wissens über die Vergangenheit. Nur so könne auch die Jugend für die Zukunft daraus Schlüsse ziehen.

 

Link

Zu den Büchern von Stefan Horvath | Edition lex liszt 12
Theodor Kramer Preis

 

volksgruppen.orf.roma - aktuell.at

http://volksgruppen.orf.at/roma/stories/2796187/

 

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