Wiener Festwochen: Látszatélet

Quelle: Wiener Festwochen
Quelle: Wiener Festwochen

Látszatélet (Scheinleben)
Schauspiel / Uraufführung
Kornél Mundruczó / Proton Theatre (H)

 

Halle G im MuseumsQuartier, 1070 Wien | Spiel­tage: tgl. von 21.5. bis 24.5.2016, 20:30 Uhr | Preis: EUR 15,- / 20,- / 30,- | Spra­che: Un­ga­risch mit deut­schen Über­ti­teln | Dauer: ca. 90 Min., kei­ne Pau­se | Pub­li­kums­gespräch: 21. Mai, im An­schluss an die Vor­stel­lung

 

 

Der Sohn einer Roma-Familie wird mit ande­rer Haut­farbe als seine Ge­schwis­ter ge­bo­ren. Die Ver­leug­nung sei­ner Her­kunft über­schat­tet seine ge­sam­te Kind­heit. Die Gewalt sei­nes Vaters zwingt ihn, sein Zu­hau­se zu ver­las­sen. In der Ano­ny­mi­tät der Stadt will er sein Glück fin­den. Ab hier könn­te die Ge­schich­te des unga­ri­schen Theater- und Film­regis­seurs Kornél Mundruczó in eine Theater­saga, ein Parade­bei­spiel sozia­ler Etablie­rung mün­den. Látszatélet je­doch beschreibt, wie das »neue Leben« vom Alb­traum des Selbst­has­ses er­stickt wird. Ein höchst aktuel­les (Anti-)Mär­chen mensch­li­cher Er­niedri­gung und mora­li­schen Nieder­gangs.

 

Grundlage der Geschichte ist ein aktenkundi­ger Fall der Budapes­ter Polizei: Im Mai 2005 wur­de ein jun­ger Rom in einem Bus mit einem Messer attackiert. Der Auf­ruhr in den Medien war groß. Die Be­völ­ke­rung de­monstrier­te gegen Rassismus. Wie sich heraus­stell­te, war der Täter Mit­glied einer tra­ditio­na­lis­ti­schen, rechts­extre­men Grup­pie­rung und wie sein Opfer: ein Rom.

 

Kornél Mundruczó erzählt eine fiktive Lebens­geschichte basie­rend auf realen Fak­ten und inspi­riert von Douglas Sirks Film Imi­ta­tion of Life. Sirks Worte zu sei­nem Melo­dram könn­ten eben­so für Mund­ruczós The­a­ter­arbeit gel­ten: »Man kann nicht Filme über etwas ma­chen, man kann nur Filme mit etwas ma­chen, mit Men­schen, mit Licht, mit Blu­men, mit Spie­geln, mit Blut, eben mit all diesen wahn­sin­ni­gen Sa­chen, für die es sich lohnt.«

Mit seinen Inszenierungen, die schonungslos die neue Realität in Ungarn zei­gen, war Kornél Mundruczó mit seiner un­ga­ri­schen Grup­pe Proton Theater wie­der­holt bei den Wiener Fest­wo­chen zu Gast.

 

Text: Wiener Festwochen

 

Roman Urbaner

http://www.roma-service.at/dromablog/?p=36376

 

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