Angriff auf Roma-Siedlung in Polen

Quelle: Gdańsk (Danzig)
Quelle: Gdańsk (Danzig)

Hooligans grei­fen Roma-Siedlung im pol­ni­schen Gdańsk (Danzig) an. Trotz War­nung kein Ein­grei­fen der Polizei.

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Abend des 11. Mai, vor Beginn des Fußball­matches zwi­schen Lechia Gdańsk und Legia Warschau, er­schien eine Gruppe von fünf Hooli­gans am Ein­gang des um­zäun­ten, von Roma be­wohn­ten Areals, das un­weit des Stadions ge­legen ist. Die Hooli­gans rüt­tel­ten am Tor, brüll­ten Beleidi­gun­gen, war­fen Steine und droh­ten später zurück­zu­keh­ren, um die Baracken nieder­zu­brennen.

 

Die Roma informierten daraufhin einen Mit­arbeiter des Danzi­ger Zentrums zur Unter­stützung von Migran­tin­nen und Migran­ten, der wiede­rum die Polizei alarmierte. Die ver­sprach zwar eine Siche­rung des Terrains, tat­säch­lich wur­de nichts in dieser Rich­tung unter­nommen.

 

Die fünfzehn Roma, unter ihnen fünf Kinder, flohen in den nahe­gele­ge­nen Wald, um sich zwi­schen den Bäumen zu ver­stecken. Etwa zwei Stun­den später er­folg­te der An­griff durch ein Dutzend Hooligans. Un­ter Rufen, die Roma töten zu wol­len, bombar­dier­ten sie die Baracken mit Stei­nen, zahl­rei­che Fenster­schei­ben gin­gen zu Bruch. Er­neut wurde die Polizei alar­miert. Nach eige­nen An­gaben hatte diese dann eine Strei­fe ge­schickt, die jedoch nie­man­den mehr am Ort des Ge­sche­hens vor­ge­fun­den habe und un­ver­rich­te­ter Dinge wie­der ab­ge­zo­gen sei. Die Roma, die das Ge­sche­hen aus ihrem Versteck be­obach­tet hat­ten, war­te­ten noch meh­rere Stun­den, be­vor sie um 2 Uhr in der Nacht in ihre Woh­nun­gen zurück­kehr­ten. Die Fa­mi­lien sind sehr ver­ängstigt, sor­gen sich vor neuen An­griffen. Eine Tatort­begehung der Polizei er­folgte erst am nächsten Vor­mit­tag. Der Vor­fall, auch das Ver­hal­ten der Po­li­zei, soll nun einer Unter­su­chung unter­zogen wer­den.

 

Der pogromartige Angriff fand in den polnischen Medien kaum Beachtung. Le­dig­lich eine loka­le On­line-Zeitung berich­tete. Am Abend folg­te dann ein kurzer Bei­trag im priva­ten Sender TVN24. Erst am über­nächsten Mor­gen er­schien in der Dan­zi­ger/Trójmiasto-Aus­gabe der Gazeta Wyborcza eine Meldung.

 

Der Vorfall steht in einer Reihe mit den mas­siv zu­neh­men­den rassis­ti­schen Attacken und Angrif­fen auf LGBT-Ein­rich­tun­gen in Polen in den ver­gan­ge­nen Mona­ten, bei denen die Polizei im­mer wieder durch ihre Passi­vität auf­fällt. Dass die PiS-Regie­rung zu­letzt erst den Rat zur Be­kämpfung von Rassismus und Dis­kri­mi­nie­rung liqui­diert hat und signa­li­siert, dass es in Polen kein Rassis­mus-Problem gebe, er­gänzt die­ses Muster. Im Rah­men der an­dauern­den natio­nalis­ti­schen und rassis­ti­schen Mobi­li­sie­rung in der pol­ni­schen Öffent­lich­keit sind zwar die Flüchtlinge und der Islam das zentra­le Feindbild. Gleich­zei­tig rich­ten sich die Feind­schaft und die vie­len An­griffe gegen sämt­liche als an­ders und abweichend defi­nier­te Grup­pen. Dazu ge­hö­ren ins­beson­dere auch die Roma, von de­nen etwa 30.000 in Polen leben und die sich wie im Falle des süd­pol­ni­schen Limanowa loka­len ras­sis­ti­schen Hetz­kam­pagnen und be­hörd­li­chen Repres­sio­nen aus­ge­setzt sehen. Auch ein Denkmal für die Er­mor­dung von Roma im National­sozia­lis­mus in Borzęcin wur­de im ver­gan­ge­nen Monat zer­stört. (dROMa-Blog berichtete)

 

Text: Kapturak / EcoleUsti, 14.5.2016

 

Roman Urbaner (dROMa)

http://www.roma-service.at/dromablog/?p=36396

 

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